5 Kinder – Chaos am Esstisch

MariaSaso_8723

Ich bin eins von 5 Kindern, das einzige Mädchen um genau zu sein. Ja, ihr habt richtig verstanden…ich habe demnach 4 Brüder. Ich bin das sogenannte „Sandwichkind“. Eigentlich ist das immer perfekt für mich gewesen. Ich habe zwei Brüder, die auf mich aufgepasst haben und zwei denen ich auch mal etwas vom Pferd erzählen konnte. Als einziges Mädchen, war es dennoch nicht immer einfach. Die hart erkämpften Freiheiten, die meine zwei älteren Brüder mit der Zeit erreicht hatten, galten natürlich nicht für mich. Ich musste mir alles selbst hart erarbeiten und neu aushandeln.

Die erstgeborenen Kinder unter euch wissen mit Sicherheit was es heißt, sich etwas hart erkämpfen zu müssen. Die nachfolgenden Kinder profitieren in der Regel davon, da gewisse Dinge nicht neu ausgehandelt werden müssen. Wie das klingt…aushandeln, aber ja Erziehung ist viel  mehr als Verbote und Gebote auszusprechen. Um Kinder „gut“ erziehen zu können, bedarf es an einer gewissen Flexibilität. Es ist gut, dass Kinder sich auch Dinge erkämpfen müssen bzw. können. Natürlich meine ich damit keine Grundbedürfnisse (diese sollten die Eltern ohne wenn und aber decken), sondern Ausgehzeiten oder gewisse Hobbys etc. Ich glaube ihr wisst schon, was ich meine.

Allerdings soll es in diesem Beitrag nicht um das Thema Erziehung gehen, das würde den Rahmen sprengen. Es soll eher um das chaotische Leben gehen, das wir als Kinder geführt haben. Vorab möchte ich euch aber gleich sagen, dass mit „chaotisch“ nicht zwangsläufig etwas Negatives gemeint ist. Leider ist es oft so, dass Chaos sehr negativ angesehen und hart kritisiert wird. Das finde ich schade, denn Chaos hat auch viele positive Eigenschaften. Chaos kann unheimlich spannend und vielseitig sein. Manchmal weiß man nicht, was das Chaos mit sich bringt. Manchmal ist es ein Ü-Ei.

Die meisten Menschen, die ich kenne, haben Angst vor Überraschungen. Sie möchten gerne alles vorher absehen und planen können. Am liebsten geht man vorher sogar jedes mögliche Szenario durch um alle möglichen Reaktionen vorher schon bewerten zu können. In den letzten Jahren, ist mir das auch oft passiert. Unbewusst habe ich alles Unvorhersehbares als negativ bewertet und auch sehr pessimistisch in diese Situationen hineingeblickt. Das war damals als Kind ganz anders. Ich habe als Kind unser Leben nie als chaotisch betrachtet. Ja, natürlich lief nicht immer alles glatt, aber das ist doch in allen Familien so. Oder was meint ihr?

Mit Chaos meine ich übrigens nicht den Haushalt, wobei der natürlich bei 5 Kindern auch mal auf der Strecke geblieben ist. Ich meine eher den Tagesablauf. Natürlich hatten wir unsere Routinen. Zum Beispiel standen wir Kinder alle vor der Tür, als wir uns in die Schulen und/oder den Kindergarten aufgemacht haben, und meine Mutter hat mit uns gemeinsam gebetet. Gut, das ist jetzt nicht jedermanns Sache, aber ich fand es toll und finde es immer noch toll. Gott möge uns auf dem Weg zur Schule beschützen, kurz und knapp. Chaos beinhaltet auch Routine, das schließt es nicht aus.

Aber was genau war denn nun chaotisch? Es war IMMER laut. Diese Ruhe, die es in manchen Familien gibt, gab es bei uns eigentlich nie. Jeder redet quer mit einem Anderen im Raum über ein ganz anderes Thema. Ach ich find es herrlich. Ich kenne viele, die das ganz furchtbar finden, man wolle sich ja schließlich nur auf ein Thema und am besten nur auf einen Menschen konzentrieren. Natürlich ist das in gewissen Bereichen auch durchaus sinnvoll und auch notwendig, aber am Esstisch einer Großfamilie, ist das nicht möglich. Es ist aber auch nicht schlimm, denn am Mittagstisch wurden nun selten große politische Debatten oder Pläne zur Weltherrschaft geschmiedet. Wobei das zweite Thema bestimmt des Öfteren mit etwas fragwürdigen Ideen angeschnitten wurde. Pinky und Brain lassen grüßen.

Mein Vater saß (und sitzt heute noch) am Kopf des Tisches und heute genießt er das richtig. Wenn wir alle zusammen sitzen, was natürlich nicht mehr so häufig vorkommen kann, wie es noch zu unserer Kindheit war, ist er oft ruhig und genießt den Lärm, das Durcheinander, das Chaos. Er weiß uns Kindern geht es gut, wir bauen selbst unser Heim auf und gründen eigene Familien und diese sind vielleicht auch chaotisch oder aber auch geordnet. Aber uns allen geht es gut und wir sitzen zusammen. Wie viele Familien gibt es, bei denen das nicht mehr möglich ist? Wie viele Geschwister haben sich auseinander gelebt oder genießen so sehr die Ruhe, dass sie den Lärm nicht mehr aushalten wollen?

Ich  muss gestehen, dass ich nach so Treffen auch ziemlich kaputt bin, aber ich möchte es einfach nicht missen. Wir sind nun einmal 5 Kinder, jeweils mit Partner/in und Kindern. Das Chaos bleibt uns bis zum Ende treu und warum sollten wir es ändern? Es hat uns zu den Menschen gemacht, die wir sind. Wir 5 sind alle komplett unterschiedlich und dennoch in den Basics wieder total gleich. Jeder von uns führt ein ganz anderes Leben, arbeitet in einer ganz anderen Richtung und dennoch ist unser Grundbaustein derselbe.

Achja 5 Kinder, ich sags euch. Ich hätte einiges zu erzählen, das würde mit Sicherheit eine mehrteilige Buchreihe füllen, aber es ist auch wichtig sich einige Dinge einfach nur als Erinnerung im Kopf zu bewahren. Es wäre doch schade, wenn alles irgendwo geschrieben stünde und wir nichts mehr zu erzählen hätten. Auf jeden Fall liebe ich das Chaos in Großfamilien, das gehört einfach dazu. Das Genie beherrscht das Chaos…oder wie war das nochmal?

Ich danke euch fürs Lesen und hoffe euch bald wieder auf meinem Blog begrüßen zu dürfen.

Eure Maria Saso

 

Beitragsbildnachweis ©  Zackaria Bergadi

Schreibe einen Kommentar

Folg mir auf Instagram