Geburtsbericht – Teil 1

MariaSaso-Schwangerschaft2

Dieser Beitrag wird etwas länger sein, da ich meinen Geburtsbericht nicht so gerne einfach „abfrühstücken“ möchte, also nimm dir etwas Zeit, mach dir vielleicht noch eine kleine Tasse Tee und lehn dich zurück.

Als ich schwanger war, habe ich mich natürlich mit dem Thema Geburt sehr intensiv auseinandergesetzt. Bestimmt geht es den meisten Erstgebärenden so. Ich wollte mich einfach darauf vorbereiten, das habe ich so in mir drin. Somit habe ich fleißig nach Geburtsberichten Ausschau gehalten, sei es auf YouTube, Instagram oder einfach im Freundes- und Familienkreis. Ich bekam die unterschiedlichsten Versionen von Schmerzempfinden, Glücksgefühlen, Schockmomenten und Abläufen. Manchmal war es für mich auch sehr erschreckend was ich gehört oder gelesen habe, aber ich habe mir immer wieder gesagt, dass positives Denken alles in die richtigen Wege leiten wird.

Ich bekam die unterschiedlichsten Tipps und Meinungen zu Methoden, Medikamenten, Krankenhäusern und Hebammen. Die Eine sagt bloß keine PDA, während die Andere wieder sich keine Geburt ohne vorstellen könnte. Manche waren mit ihren Hebammen super zufrieden, andere hatten eine Art „Misshandlung“ im Kreißsaal erlebt. Dann gibt es ja noch so viele Möglichkeiten, wo Frau gebären kann. Die Meisten empfehlen ja Krankenhäuser, aber oft heißt es auch, dass Geburtshäuser oder Hausgeburten ganz toll sein sollen. Dann gibt es ja noch die ganzen Risiken, die zu beachten sind. Eindrücke rieselten auf mich ein und ich musste versuchen die ganzen Tipps und Empfehlungen zu sortieren.

Also habe ich mir so einen kleinen Plan erstellt, der vieles offen ließ, mir aber gleichzeitig das Gefühl vermittelte, dass ich auf eine Entbindung super vorbereitet sein werde. Ich habe mich für ein kleines Krankenhaus in der Nähe entschieden, nicht das große Klinikum in Kassel, da mich so riesige Krankenhäuser einfach nur abschrecken. Wenn etwas mit dem Kind oder mir nicht stimmen sollte, käme ich bzw. kämen wir sowieso in dieses Krankenhaus, da es das einzige mit einer Kinderstation ist. Aber da ich ja positiv eingestellt war, habe ich fest daran geglaubt, dass wir zwei das nicht brauchen werden. Das hat sich auch zum Schluss Gott sei Dank so bestätigt.

Das Einzige, was ich nie nie nie niemals wollte…einen Kaiserschnitt. Meine Mutter hat 5 Kinder auf natürlichem Weg auf die Welt gebracht und ich wollte mir und der Welt beweisen, dass ich auch das Zeug dazu habe. Der offene Teil meines Plans bestand darin, dass ich allen Stellungen und Hilfsmitteln gegenüber offen war. Wenn die Hebamme mir empfiehlt hin und her zu laufen oder in die Hocke zu gehen, dann werde ich das tun. Da ich mich ja für dieses Krankenhaus entschieden habe, habe ich mich auch automatisch gegen eine PDA entschieden, da dies dort nicht möglich gewesen wäre. Aber da mir eine PDA nicht wichtig war, ich sogar eher negativ demgegenüber stehe, war das völlig in Ordnung.

Als ich über dem errechneten Geburtstermin (ET) war, wurde ich langsam etwas nervös. Die Mamas unter euch, wissen was ich meine. Ich wartete so sehnsüchtig auf diesen Termin, ich wollte nicht mehr schwanger sein. Die kleine Maus soll doch bitte endlich rauskommen, es wird langsam sehr schwer mit diesem Gewicht rumzulaufen. Nun ja, man bekommt ja nicht immer das, was man sich erhofft. Ich tat alles, um den Geburtsvorgang irgendwie ins Laufen zu bringen. Ich trank Wehentee, ich lief jeden Tag Treppen und machte ausgiebige Spaziergänge und entspannte dann wieder in der Badewanne (mitten im Hochsommer), es half einfach gar nichts. Somit ging ich am 8. Tag nach ET ins Krankenhaus, um zum einen den weiteren Ablauf besprechen zu können und zum anderen eine Eipollösung durchführen zu lassen, denn dieser soll angeblich ja den Geburtsvorgang leicht in die Wege leiten.

Der Arzt untersuchte mich und sagte, dass mein Körper auf jeden Fall schon bereit für die Geburt sei, jetzt müsse nur noch das Kind den Willen aufbringen. Ich hatte schon einen leicht geöffneten Muttermund, alles war geschmeidig, die kleine Maus lag schon tief im Becken, aber Wehen…sie kamen einfach nicht. Also hat er die Eipollösung vorsichtig durchgeführt. Es war Freitag, der Arzt sagte mir, dass ich am Montag um 8 Uhr sofort wieder kommen soll, falls sich vorher nicht schon etwas getan habe. Dann müsse man über eine Einleitung nachdenken, da ich ja dann schon 11 Tage über dem ET sein werde. Er war allerdings der Meinung, dass es am Wochenende auf jeden Fall losgehen wird.

Ihr könnt euch ja jetzt denken, was passiert ist oder besser gesagt was nicht passiert ist. Die Eipollösung hatte bei mir leider gar nichts ausgelöst. Keine Wehen, kein Blasensprung, einfach gar nichts. Mein Mann und ich sind extra etwas länger spazieren gegangen, um das Ganze noch zu unterstützen, ich war voller Hoffnung, dass es endlich bald losgeht. Ich konnte einfach nicht mehr, da zum Ende der Schwangerschaft noch das heiße Wetter hinzukam. Ich hatte wahnsinnige Wassereinlagerungen, alles war einfach nur noch mühsam, ich wollte meine Maus endlich in meinen Armen halten.

Für Montagmorgen hatte ich mir extra den Wecker gestellt, da der Arzt mich um 8 Uhr früh sehen wollte. Somit haben wir die Babyschale und unsere Taschen ins Auto geladen (die ich natürlich schon 6 Wochen zuvor gepackt hatte) und fuhren ins Krankenhaus. Da mein Mann und ich von Beginn an ein Familienzimmer haben wollten, besaß er auch eine Tasche mit Wechselkleidung und viel zu vielen Dingen, die wir schlussendlich sowieso nicht gebraucht haben. Kaum beim Arzt angekommen musste ich erstmal zum CTG. Natürlich waren die Kontraktionen, die ich hatte, so unerheblich und in so unregelmäßigen Abständen, dass ich sie nicht einmal wirklich wahrgenommen habe.

Es war derselbe Stand, wie am Freitag zuvor. Das bedeutete, dass nun gehandelt werden musste. Wir werden sanft einleiten müssen, sagte er. Es könne nämlich manchmal Tage dauern, bis eine Einleitung anschlägt und die Geburt losgehen kann. Im direkten Anschluss schickte er mich zur Hebamme, die mich dann aufgeklärt hat. Ich bekam Magentabletten, die als Nebenwirkung Wehen auslösen sollen. Falls Du auch eine Einleitung in ähnlicher Form hattest, kennst du ja den Prozess. Erstmal wird eine Weile CTG geschrieben, dann das Medikament eingenommen, dann wieder CTG, dann eine mehrstündige Pause und dann beginnt das Ganze von vorne.

Nachdem mir auch Blut abgenommen wurde und ich fürs erste dann Pause hatte, haben wir auch richtig „einchecken“ können. Da ich vorher noch nie in einem Krankenhaus gelegen habe, kannte ich diese ganzen bürokratischen Abläufe gar nicht. Das war ja nochmal ganz schön aufregend für mich, muss ich zugeben. Ich habe vorher Krankenhäuser IMMER mit negativen Erlebnissen verbunden und nun war es doch etwas Positives. Mein Kind kommt hier bald zur Welt, dennoch hatte ich ein etwas mulmiges Gefühl. Ich denke es lag daran, dass ich keine Wehen hatte und es sich nicht angefühlt hat, als ob es bald losginge.

Das Zimmer war wirklich sehr schön, ich war die einzige werdende Mama, die gerade ein Zimmer hatte, da die anderen Zimmer entweder leer oder mit Mamas belegt waren, die mit ihrem Kind noch am gleichen Tag das Krankenhaus verlassen wollten. Somit war die Hebamme ganz für mich alleine da. Sie war sooooooo toll. Um 8 Uhr früh beginnt die Schicht und um 20 Uhr endet sie. Also hat mich diese liebe Hebamme die gesamte Einleitungsphase begleitet. Sie hatte eine wahnsinnig nette Art, ich habe mich total sicher und aufgehoben gefühlt. Bevor ich die ersten Tabletten bekam, hat sie mich am Muttermund und am Bauch abgetastet. Sie schaute auf einmal etwas verdutzt……

LANGE PAUSE!!!!!!!!!???????

„Der Doktor hatte sie nach oben geschickt und gesagt, dass sie eine Einleitung benötigen, stimmt’s?“ fragte sie mich etwas skeptisch. Ich bejahte natürlich ihre Frage und war dann etwas verunsichert. Als Schwangere denkt man SOFORT, dass irgendetwas mit dem Kind nicht stimmt. Mein Herz fing schon leicht an zu rasen, bei mir beginnt dann auch direkt die Schweißproduktion, besonders mitten im Hochsommer. Sie rief den Arzt an und sagte, dass das Kind noch gar nicht fest im Becken liege und es auch nicht richtig positioniert sei. Mir ist die Kinnlade nach unten gefallen, das hörte ich zu diesem Zeitpunkt zum ersten Mal. Meine Hebamme, die mich zuhause betreut hat, meine Frauenärztin und der Arzt im Krankenhaus haben allesamt bestätigt, dass sie sogar schon sehr früh im Becken weit unten läge und sie genau die richtige Position eingenommen habe.

Ich war echt geschockt, könnt ihr euch vorstellen. Wochenlang wurde mir gesagt, dass mein Körper total bereit sei und nur noch die Wehen fehlen würden und dann kommt auf einmal so eine Nachricht!? Bitte was? Der Arzt sagte am Telefon, dass die Einleitung gemacht werden kann, er hatte mich ja soeben erst untersucht. Somit hat die Hebamme zwar etwas komisch geschaut, aber dennoch mit der Einleitung begonnen. Sie hat mir dann erklärt, dass sie die Vermutung hat, dass das Kind mit dem Kopf nicht richtig positioniert sei und sie wahrscheinlich mit dem Kopf schräg liege, da sie eine Fontanelle gespürt habe. Ebenso erklärte die Hebamme, dass sie ihren Kopf noch wunderbar hochschieben könne, also soll ich mich bei einem Blasensprung direkt hinlegen und nach ihr rufen, da sonst das Risiko bestünde, dass sich die Nabelschnur um den Hals des Kindes wickeln könne. Das war ein zusätzlicher Schock da meine Frauenärztin 2 Wochen zuvor noch genau das Gegenteil behauptete, ich könne bei einem Blasensprung nun ohne Bedenken auch sitzend ins Krankenhaus fahren bzw. mich ganz normal fortbewegen. Dennoch wurde der Einleitungsprozess normal durchgeführt, da manche Kinder scheinbar einen Schubs benötigen, um sich auf den Weg zu machen und sich richtig zu positionieren.

Nun denn, da waren wir nun in unserem modernisierten Familienzimmer mit eigenem Bad und natürlich einem Fernseher. Dieser war übrigens in der ganzen Wartezeit unser bester Freund. Wenn man die ganze Zeit darauf wartet, dass etwas passiert, kann man sich ganz schön schnell verrückt machen. Also haben wir versucht uns durch Spaziergänge im kleinen Vorgarten oder durch das TV-Programm abzulenken.

Wie es weiter ging, erfahrt ihr im zweiten Teil. Bitte seid nachsichtig, das ist für mich ein sehr emotionales und wichtiges Erlebnis gewesen…ich kann es leider nicht in wenige Worte fassen.

Danke für euer Durchhaltevermögen!

Eure Maria Saso

 

Beitragsbildnachweis © Janina Kampe – www.janinakampe.de

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