Geburtsbericht – Teil 2

MariaSaso-Schwangerschaft2

Im ersten Teil hatte ich ja bereits erwähnt, dass ihr euch am besten etwas Zeit für den Beitrag nehmen solltet, da ich dieses Thema nicht kurzfassen kann und möchte. Ich halte mein Versprechen ein und musste doch tatsächlich 3 Teile daraus machen, damit der zweite nicht doppelt so lang, wie der erste wird. 😀

Fortsetzung:

Nun stand die zweite Tabletteneinnahme an. Die Hebamme fragte mich, ob ich schon etwas merken würde oder sich vielleicht schon etwas getan habe. Nein, leider nicht. Also wieder CTG, Tabletten, CTG und Pause. Wir durften uns dann schon einmal ein paar Söckchen und eine Mütze aussuchen, die alle werdenden Eltern von den Hebammen geschenkt bekommen. Das war ein Moment, in dem ich wieder sehr viel Vorfreude verspürt habe, da man kurz nur an das Schöne gedacht und sich gefragt hat, wie die kleine Maus denn aussehen könnte.

Nach der zweiten Tabletteneinnahme habe ich so langsam Kontraktionen gespürt, aber das war nichts Wildes, deswegen nannte ich dieses „Ziehen“ auch noch nicht Wehen. Demzufolge hat sich wieder nicht wirklich etwas getan, das den Geburtsvorgang beschleunigen würde, also wieder CTG, Tabletten, CTG und Pause. Die Hebamme hatte mir erklärt, dass es für diese Tabletten eine Höchstdosis am Tag gäbe und wir dann erst wieder am nächsten Morgen fortfahren würden. Bei manchen Frauen könne dieser Prozess auch mal 3 Tage lang dauern, bis der Geburtsvorgang endlich in die Gänge kommt. Es war etwas enttäuschend, dass sich bis zu diesem Zeitpunkt noch nichts getan hatte. Ich wusste auch, dass es bald 20 Uhr sein wird und somit der Schichtwechsel der Hebamme ansteht. Ich war demnach auch etwas traurig und ängstlich, da ich nicht wusste wer mich dann die Nacht über betreuen wird. Um trotzdem aus dem Abend und der Nacht noch etwas Positives gewinnen zu können, haben mein Mann und ich uns schon das TV-Abendprogramm angesehen und uns für einen Film entschieden. Vielleicht könne dieser uns etwas ablenken, dann würden wir früh zu Bett gehen, damit wir beide nochmal unsere Kräfte sammeln können. Wir waren bereits seit 6 Uhr früh wach und Ihr Mamas (bzw. ihr werdenden Mamas) wisst ja, wie anstrengend ein langer Tag in der Schwangerschaft sein kann.

Nach der letzten Einnahme haben wir zu Abend gegessen und sind noch einmal eine Runde spazieren gegangen. Die Kontraktionen wurden langsam etwas stärker, aber es war alles noch erträglich und die Abstände riesengroß. Bevor unser Abendprogramm anfangen sollte, wollte ich dann meine Mama noch einmal kurz anrufen. Ach, das habe ich euch noch gar nicht erzählt. Bis zu diesem Zeitpunkt wusste noch niemand, dass wir im Krankenhaus waren. Ich wollte nicht, dass alle warten und fragen, wann es denn nun losgeht. Immerhin hatte uns der Arzt gesagt, dass eine Einleitung Tage dauern könne. Aber abends habe ich mich doch danach gesehnt meiner Mama Bescheid zu geben.

In diesem Moment hätte ich meine Mama wirklich gerne bei mir gehabt, aber uns trennen leider einige Kilometer, von daher musste das Telefon herhalten. Ich rief sie an und sagte ihr, dass ich seit dem Morgen schon eingeleitet werde, ich aber noch nicht wirklich was spüre. Sie soll es doch bitte erstmal noch niemandem sagen, da ich einfach nicht in Stress geraten wollte. Als wir noch kurz kleine Alltagsthemen austauschten, merkte ich auf einmal, dass es etwas nass wurde. Naja als Hochschwangere, kann die Blase auch mal etwas schwächeln und ich dachte es sei einfach etwas danebengegangen. Meine Mutter erzählte mir gerade etwas über ihren Tag und ich sah meinen Mann plötzlich entsetzt an, dann auf den Boden, dann wieder zu meinem Mann. Er fragt mich was los sei. Ich schau wieder auf den Boden, seine Blicke wanderten auch nach unten….AHHHHHHHHHH!!!!!

19:30 Uhr: Die Fruchtblase ist geplatzt.

Als ich das Geschehne endlich nach ein paar langen Sekunden realisiert habe: „Mama, ich muss auflegen!“ TÜT, TÜT, TÜT. Im Nachhinein sagte mir meine Mama, dass sie genau wusste, was in diesem Moment passiert sei und sie ganz aufgeregt war. Ich legte mich natürlich sofort aufs Bett und Sven hat die Hebamme gerufen. Diese hatte sich 5 Minuten zuvor umgezogen, da sie ja bald Feierabend habe und die nächste Hebamme ihre Schicht antreten würde. Sie kam zu mir, gab mir Tonnen Papier, das ich mir untenrum mit einem Handtuch irgendwie festgebunden habe und auf gings Richtung Kreißsaal. Der Flur war nicht besonders lang, aber mit so einem Wasserfall eine wirklich aufregende und ich gestehe auch lustige Erfahrung. Nach mir musste definitiv gewischt werden. 😀

Im Vorzimmer des Kreißsaals angekommen, musste ich natürlich ans CTG angeschlossen werden. Die Hebamme hat sich nochmal umgezogen, um mich richtig abtasten zu können. Kleine spitze Wehen in unregelmäßigen Abständen konnten gemessen werden. Für mich waren es weiterhin nur Kontraktionen, die allerdings schon stärker waren. Leider hatten diese auch keinerlei Auswirkungen auf den Muttermund. Zwischen 3-4 cm war dieser geöffnet, es hat sich nichts geändert. Die kleine Maus war zwar weiter in meinen Becken gerutscht, aber lag total falsch. Ihr Kopf war schräg, so funktionierte das nicht, sie musste sich richtig positionieren.

Der Schichtwechsel stand nun zu diesem Zeitpunkt an. Plötzlich war ich kurz etwas ängstlich, die nächste Hebamme wirkte etwas streng. Ich hatte bedenken, dass ich mit ihr warm werden könne, das hat mich dann auch etwas traurig gestimmt. Ich hätte so gerne bei der ersten Hebamme entbunden. Nun denn, es war nun einmal so, dass die Schicht vorbei war, ich musste damit jetzt klar kommen. Die zweite Hebamme hat mich dann ebenfalls untersucht, um sich ein eigenes Bild meiner Situation machen zu können. Sie hatte die erste Hebamme bestätigt, das Kind liegt nicht richtig, der Muttermund ist nicht so weit offen und die spitzen Wehen haben auf den Geburtsvorgang keine Auswirkungen.

„Geht ihr Beide jetzt erst einmal in euer Zimmer. Versucht doch noch etwas zu entspannen und zu schlafen. Ihr werdet die Kraft brauchen für das, was auf euch zukommt.“, sagte sie bestimmend, aber fürsorglich. Also bekam ich aufgrund des Blasensprungs ganz viele dicke Binden und diese Netzhöschen zum Wechseln. Sven und ich waren natürlich unheimlich angespannt. Wie sollen wir denn entspannen? Können wir überhaupt so schlafen? Die Wehen wurden ab dem Blasensprung immer heftiger, immer spitzer. Falls Du gerade nicht weißt, wie eine „perfekte“ Wehe sein sollte, dann erklär ichs kurz und knapp. 30 Sekunden kommt die Wehe, 30 Sekunden bleibt sie und 30 Sekunden klingt sie ab. Bei Einleitungswehen ist es allerdings oft so, dass sie spitz sind. Das bedeutet, dass die Wehe SOFORT da ist, bleibt und wieder geht. Ich konnte mich nicht darauf vorbereiten, geschweige denn irgendwie die Wehe veratmen. Lediglich aushalten war das, was ich machen konnte.

Als es dann doch ziemlich schnell ins unerträgliche ging, riefen wir die Schwester, sie möchte doch bitte die Hebamme aus dem Nachtzimmer holen. Da es sich ja (wie schon vorher erwähnt), um eine kleine Entbindungsstation handelte, schlafen die Hebammen in der Nachtschicht in einem Zimmer, wenn keine Frauen im Kreißsaal sind. Sie holte uns aus dem Zimmer und während wir Richtung Kreißsaal liefen, hatte ich eine spitze Wehe nach der anderen und musste mehrfach stehen bleiben. Ich dachte, diese Schmerzen ziehen mir den Boden unter den Füßen weg. Glaubt mir, ich bin wirklich nicht schmerzempfindlich, (da ich Migränepatientin bin) aber diese Schmerzen, ich kann sie nicht einmal wirklich beschreiben, haben mich echt umgehauen.

Die Hebamme hat mich diesmal direkt in den Kreißsaal gelegt und dort ans CTG angeschlossen. Sie hat meinen Muttermund abgetastet und was soll ich sagen? 3-4 cm ist dieser geöffnet und das Kind liegt unverändert falsch im Becken. Es hat sich nichts getan, die Wehen waren zwar da, aber zu spitz. Sie haben keinerlei Auswirkungen auf den Muttermund. „Da können wir leider noch nichts machen, du musst jetzt versuchen etwas zu schlafen, um Kräfte zu sammeln.“, riet sie mir. Sie gab mir ein Zäpfchen, ein Schmerzmittel, das mir ein paar Stunden Ruhe verschaffen sollte.

Ihr glaubt es nicht, was ich gemacht habe? Also ich schreibe jetzt hier unverblümt und verschönere nichts. Ich habe mir das Zäpfchen vaginal eingeführt, ich war nämlich total übermüdet und die Schmerzen haben mein Gehirn etwas matschig werden lassen. Ich hab mich hingelegt und auf einmal machte es KLICK in meinem Kopf. „Schatz!!!! Musste ich das Zäpfchen vaginal oder rektal einführen?“, fragte ich meinen Mann. Er meinte, dass das mit Sicherheit rektal zu benutzen sei. Ich fing an zu weinen und sagte, dass ich es falsch gemacht habe und fragte mich, ob das nun Auswirkungen auf mein Kind haben könnte. Habe ich jetzt mein Kind dadurch Schaden angerichtet? Er ging zur Hebamme, um sich zu vergewissern, dass die falsche Einnahme keine Auswirkungen hatte. Sie gab ihm ein zweites Zäpfchen mit, damit ich es noch einmal richtig einführen konnte, diesen Fehler machen viele Frauen und ich solle mir das jetzt nicht so sehr zu Herzen nehmen.

Nach der zweiten und nun auch richtigen Einnahme, versuchte ich zu schlafen. Ich VERSUCHTE es. Ich musste ständig laut stöhnen. Mein Mann sagte mir, dass  ich in dieser einen Stunde, in der wir versuchten zu schlafen, alle 5 Minuten so laut gewesen sei, dass an Schlaf gar nicht zu denken war. Nachdem ich solche Schmerzen hatte, dass ich es kaum aushielt, musste die Schwester wieder die Hebamme aus dem Nachtzimmer holen. Wir gingen erneut in den Kreißsaal, diesmal dauerte der kurze Gang durch den Flur gefühlt eine halbe Ewigkeit, da ich ständig immer wieder stehen bleiben musste. Nachdem erneut keine Veränderung des Geburtsvorgangs festgestellt wurde, gab mir die Hebamme eine Spritze, damit ich nun aber wirklich noch etwas schlafen könne, bevor das ganze Spektakel losginge. Es war mittlerweile 23 Uhr. Als Nebenwirkung erwähnte sie starke Übelkeit bis Erbrechen, also gab sie uns noch spezielle Tüten mit. Wir gingen wieder in unser Zimmer und versuchten erneut unser Glück. Keine Chance, eine halbe Stunde später wurde es immer schlimmer und ich habe so laut gestöhnt und gestammelt, dass Sven besorgt war und fragte was wir denn nun machen sollen. Ich sagte ihm, dass ich das Gefühl habe groß auf die Toilette gehen zu müssen und er half mir mich aufzusetzen. Doch die Schmerzen ließen kaum Bewegungen zu, ich schrie dabei.

Diese spitzen Wehen kamen so plötzlich und stark, dass ich schon Angst hatte überhaupt eine Bewegung zu machen, auch wenn ich gerade keine Wehe verspürte. Auf einmal musste ich mich mehrfach hintereinander übergeben. Und mein Mann rief die Schwester, die sich erstmal erkundigen wollte, wie es mir ginge, damit sie nicht „umsonst“ die Hebamme aus dem Schlaf holt. Nun ja, sie wollte mir auf die Toilette helfen und hievten mich gemeinsam mit meinem Mann aus dem Bett hoch und plötzlich schnürte mir der Schmerz die Kehle zu. So eine Angst, hatte ich noch nie, die Angst zu ersticken. Ich hyperventilierte und weinte gleichzeitig. Die Schwester fing mich auf und versuchte mich im Stand zu beruhigen. Langsam bekam ich wieder Luft, dann kam die nächste Wehe. Die Schwester holte die Hebamme und brachte mich und meinen Mann vorher schon in den Kreißsaal, in dem ich dann auch blieb.

Ich schreibe das hier so nieder und es fühlt sich an, als ob ich wieder in diesem Kreißsaal bin und das Ganze von außen betrachte. Mittlerweile habe ich in diesem Beitrag bereits über 1.800 Wörtern getippt. Ich möchte aber nicht aufhören so ausführlich zu schreiben. Im dritten Teil komme ich dann aber auch zum Ende. 😀

Danke für euer Durchhaltevermögen!

Eure Maria Saso

 

Beitragsbildnachweis © Janina Kampe – www.janinakampe.de

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