Geburtsbericht – Teil 3

MariaSaso-Schwangerschaft2

Nun habt ihr Teil 1 und Teil 2 scheinbar durchgehalten und seit zum letzten Teil meines Geburtsberichts angekommen. Vorab möchte ich mich für eure Geduld bedanken und hoffe, dass die Emotionen, die ich damals und nun auch während des Schreibens verspürt habe, einigermaßen transportieren konnte.

Fortsetzung…

Ab diesem Moment waren die Wehen wirklich kaum zu ertragen. Im Nachhinein betrachtet war das größte Problem, dass sie nicht langsam kamen und ich mich nicht darauf einstellen konnte. Somit verlief die Geburt genauso ab, wie ich es nicht haben wollte, wie ich es doch gar nicht geplant hatte. Da sie falsch im Becken lag, drückte sie so schlimm auf mein einen Beckenknochen, dass ich mich nicht mehr bewegen konnte. Ich lag somit in der ungünstigsten Gebärposition, die es gibt, in gerader Rückenlage. Sven stand rechts neben mir und hielt meine Hand. Ich brauchte sie, ich brauchte seinen ganzen Arm um genau zu sein. Ich klammerte mich so sehr an seinen Arm, dass er es nicht wagte sich hinzusetzen oder gar nur einen halben Schritt nach links oder rechts zu gehen. Eine Wehe nach der anderen kam, die Schmerzen waren unerträglich, aber ich war ausgesprochen „ruhig“.

Natürlich habe ich laut gestöhnt und auch womöglich etwas geschrien, aber ich ging ursprünglich davon aus, dass ich alles und jeden anschreien und vielleicht sogar anschimpfen könnte, dem war aber nicht so. Die Hebamme, die ich zu Beginn noch als sehr streng empfand und bei der ich mich erst nicht so gut aufgehoben gefühlt habe, hatte sich als eine total führsorgliche Person entpuppt. Sie ging auf mich vollkommen ein und hat mir Mut zugesprochen. Ebenso hat sie mir das mit den spitzen Wehen erklärt, sie sagte, dass Einleitungswehen oft viel schmerzhafter und intensiver seien, da sie ohne Ankündigung kämen und die Frau sich nicht darauf einstellen könne. Das kann ich nun bestätigen, das ist wirklich so.

Nach einiger Zeit (wenn Frau in den Wehen liegt, ist jedes Zeitgefühl verloren….Gott sei Dank) hat sie mich abgetastet und dabei enttäuschender Weise festgestellt, dass all die schlimmen Wehen den Muttermund nicht beeinflusst haben und sich die Kleine immer noch nicht mit dem Kopf richtig positioniert hatte. Es war zum Verzweifeln, da habe ich einen Blasensprung, seit Stunden heftige Wehen und es tut sich nicht einmal ein Zentimeter. Womit hatte ich das verdient? Gegen 3 Uhr Nachts sagte sie meinem Mann, dass er sich doch endlich mal hinsetzen soll, er müsse nun doch auch auf sich achten, damit er mir weiterhin beistehen könne. Sie brachte ihm einen Kaffee und zwang ihn dazu doch auch mal die Toilette aufzusuchen, um sich auch etwas Wasser ins Gesicht spritzen zu können. Man darf dabei ja nicht vergessen, dass wir schon sehr lange auf den Beinen waren. Anschließend sagte sie, ich müsse mal probieren mich zu bewegen. Es ging nicht, ich hatte ohne Wehen so Schmerzen in meinem Becken, dass selbst das Bewegen meines Oberkörpers mich zum Schreien brachte. „Probieren wir wenigstens die Seitenlage, das Kind muss sich drehen und vielleicht hilft die Bewegung…“, riet sie mir. Unter schreien und weinen und ihrer Hilfe drehte ich mich auf die Seite.

Ab diesem Zeitpunkt bin ich gedanklich weggetreten und habe mich auch nicht mehr zurückbewegt, das ganze Drumherum habe ich gar nicht mehr wahrgenommen. Der Raum, mein Mann, die Hebamme, das Bett…nichts war wirklich präsent, nur noch die Wehen, das CTG und ich waren übrig geblieben. Das war auch der Zeitpunkt, in dem ich kaum Luft bekommen habe und die Herztöne meiner Maus in den Keller sanken. PIEP, PIEP, PIEP. „Du musst atmen Maria, ganz tief in deinen Bauch hinein, dein Kind braucht Sauerstoff!“, befahl mir meine Hebamme. HILFE! MEIN KIND! Ich musste mich zusammenreißen! ATME MARIA!

Als ich wieder besser Luft bekam, ist mir dieser Fehler auch kein zweites Mal mehr passiert, aber es kostete Kraft und Konzentration. Sven musste mich ab und zu ansprechen, damit ich vor Erschöpfung nicht wegtrete, denn ich musste ja weiterhin tief atmen. Aber ich sage euch, mein Körper war anwesend, aber ich war ganz wo anders. Ich kann es gar nicht genau erklären…war ich in Trance? So etwas in der Art wird es wohl gewesen sein. Um 5 Uhr hat meine Hebamme den Geburtsstillstand festgestellt. Es hat sich seit 20 Uhr am Abend aber auch gar nichts getan, weder das Kind hatte sich positioniert, noch hat sich mein Muttermund verändert. „Ich kann nicht mehr, ich will nicht mehr. Nein, nein, nein!“, mehr kam aus mir nicht mehr heraus. Sie rief den Arzt an, um sich zu beraten und schlug einen Kaiserschnitt vor. „Das Kind ist mit dem Kopf schräg im Becken, unverändert und der Muttermund hat sich seit dem die Blase geplatzt ist ebenfalls nicht verändert, Maria ist langsam am Ende ihrer Kräfte. Wie gehen wir jetzt vor, machen wir einen Kaiserschnitt?“

Der Arzt sagte, dass er um 8 Uhr früh, also 3 Stunden später, im Krankenhaus sei und falls sich bis dahin die Lage nicht ins Positive verändert habe, würde er mich untersuchen und einen Kaiserschnitt vornehmen. „Ok, dann gebe ich Maria jetzt einen Wehenhemmer, damit sie und das Kind zur Ruhe kommen können.“ sagte die Hebamme. Der Arzt aber war dagegen und sagte, sie solle mich stattdessen an einen Wehentropf hängen, vielleicht brauche das Kind einfach etwas mehr Stress, um sich endlich mal zu positionieren. Ein Wehentropf…wisst ihr was das bedeutet hat? Die schon extrem heftigen spitzen Wehen, wurden noch intensiver und natürlich demnach auch noch häufiger.

Diese letzten 3 Stunden, bis der Arzt kam, habe ich gar nicht mehr richtig mitbekommen. Mein Mann sagte, dass ich nicht einmal mehr ihn richtig wahrgenommen habe. Er zählte die Minuten, bis der Arzt kommen sollte, weil er diesen Zustand nicht mehr mit ansehen wollte. Wie kann er nur so lange warten? Die Hebamme hat die Aufforderung des Arztes nicht nachvollziehen können, sie hätte mir lieber den Wehenhemmer gegeben, da sie keinerlei Veränderungen beobachten konnte, also gab sie mir zusätzlich zum Tropf noch ein leichtes Schmerzmittel. Ich habe keine Ahnung was das gewesen sein soll, ich habe nicht einmal richtig wahrgenommen, dass sie mir Schmerzmittel gab, denn die Schmerzen waren ja trotzdem da, ich war halt nur irgendwie etwas weggetreten davon. Um 7:30 Uhr hat sie mir Antibiotika geben müssen, da der Blasensprung nun 12 Stunden her war und man das so machen müsse. Im Anschluss hat sie mich untersucht und ihr glaubt es nicht….NICHTS! Muttermund 3-4 cm, Kind in falscher Position.

Ist das nicht zum Heulen? „So, jetzt ist mir das egal, ich klemme nun den Wehentropf ab, der Arzt kommt ja sowieso gleich vorbei. Ich kann dir das nicht länger antun.“ sagte die Hebamme. DANKE! DANKE! ICH DANKE DIR! Ich hatte natürlich weiterhin Wehen, aber das war ja im Vergleich zu den Stunden zuvor ein Spaziergang. Der Arzt kam, hat natürlich auch abgetastet und wollte sich per Ultraschall ein genaues Bild der Position meines Kindes verschaffen. Dabei kam heraus, dass sie sich kurz vor der Einleitung tatsächlich als Sternenguckerin gedreht und den Kopf total schief hatte. „Wir hätten so noch 10 Stunden weiter machen können mit dem Resultat, dass das Kind so niemals rausgekommen wäre!“, erklärte uns der Arzt. Er würde jetzt einen Kaiserschnitt machen und versuchte mich aufzuklären. Ich war natürlich alles andere als aufnahmefähig. Er fragte mich bzw. meinen Mann nach bekannten Erkrankungen, Allergien etc. Nachdem er sich unser Einverständnis eingeholt hat und ich einen Wehenhemmer bekam, um die Zeit zu überbrücken, nahm er meinen Mann zur Seite. Er erklärte ihm, dass in der Situation, in der ich gewesen sei, er gar nicht mein Einverständnis hätte einholen müssen, da es keine andere Möglichkeit als den Kaiserschnitt gegeben hätte.

Schichtwechsel.

Ich liege im Flur vor dem Kreißsaal, bereit zur Abholung in den Operationssaal, der auf einer anderen Ebene war. Mein Körper und Geist waren so fertig, dass ich schon halb im Land der Träume war und ganz viel verwirrendes Zeug fantasiert habe. Die nächste Hebamme sprach mich an und stellte sich vor, sie habe jetzt Schicht und würde mich während und nach dem Kaiserschnitt betreuen. Ich habe das gar nicht so richtig mitbekommen. Aber eine Sache werde ich nie vergessen… ich lag in diesem Flur und Sven kam zu mir. Er nahm meine Hand, gab mir Sicherheit und sprach ruhige Worte. Er wusste, dass ich eigentlich niemals einen Kaiserschnitt haben wollte. Ich hatte regelrecht Angst davor und dann noch mit Vollnarkose (das geht wohl in diesem Krankenhaus nur geplant ohne Vollnarkose), also all das was ich nie nie nie niemals wollte.

Ich sah ihn an, erzählte meinen verwirrenden Traum und brachte ihn dadurch zum Lachen. Nach dieser wirklich langen Nacht konnten wir beide kurz mal lachen. Dann wurde mir alles klar. Wir hatten den zweiten Namen unserer Tochter noch nicht festgelegt. Sven und ich hatten vom Zweitnamen unserer Tochter eine andere Vorstellung. Doch in diesem Moment wusste ich, dass der Name, den Sven so gerne haben wollte, der Richtige sein wird. Ich sagte ihm er soll bitte der Hebamme diesen Namen angeben. „Bist du dir sicher mein Schatz? Wir können das auch noch ganz in Ruhe später nachtragen.“ fragte er mich. „Ja, ich bin mir sicher, sag ihr das genauso. Ich liebe dich.“

Dann ging es los, der Weg zum OP. Ich kam mir vor, wie in einem Film. Bislang habe ich in Krankenhäusern nur Familie und Freunde besucht gehabt und war niemals selbst Patientin. Was genau passiert hier denn? Ich wurde vorbereitet und die neue Hebamme, die übrigens auch sehr lieb war, hat meine Hand gestreichelt und mir Mut zugesprochen. Jeder Schritt der nun folgte wurde mir erklärt, wie die Narkose funktioniert und wann sie gegeben wird. Maria, jetzt werden wir dir das Narkosemittel geben und gleich kannst du deine Tochter in die Arme schließen.

Moment…mir kommen gerade die Tränen…ich muss kurz tief durchatmen und einen Schluck Wasser nehmen.

Ich sah an die hellbeleuchtete Decke und fragte mich noch, wann wohl das Mittel wirken wird und ob ich es merke… dann öffneten sich meine Augen langsam. und ich war in einem anderen Raum. Schmerzen… oh diese Schmerzen. Ich stöhnte leise und plötzlich kam ein Mann in den Raum, den ich zuvor nie gesehen habe. „Hallo Maria, wie geht es dir. Du bist im Aufwachraum, es ist alles gut verlaufen. Wie fühlst du dich?“, fragte er mich. „Aua, es tut weh.“, mehr bekam ich nicht heraus. Er sagte mir, dass die Schmerzen gleich nachlassen und mein Mann mit unserer Tochter kommen würden. Zu diesem Zeitpunkt habe ich das noch gar nicht so realisieren können, ich war weiterhin leicht weggetreten und hatte Schmerzen, die viel schlimmer als die Wehen waren.

Dann kam ein anderer Mann herein, der ebenfalls nach meinem Befinden fragte. Er bekam natürlich die gleiche Antwort, wie der Andere zuvor, was soll sich denn bitte innerhalb der Zeit geändert haben? Auf einmal kam die Hebamme herein und sagte mir „Maria dein Mann und eure Tochter kommen gleich herein. Gleich kannst du dein Engel in die Arme schließen.“. Auf einmal wachte ich immer mehr auf und verstand, dass jetzt gleich etwas passieren wird. Gleich wird der Moment sein, der mein Leben verändern wird.

Mein Mann schob diesen kleinen Babywagen vor sich her, ganz langsam kam er auf mich zu. Er strahlte über beide Ohren. Kaputt und müde sah er aus, aber überglücklich. „Hier ist unsere Maus.“, strahlte er mich an. Die Hebamme machte mich obenrum frei, damit die Kleine direkten Hautkontakt mit mir haben konnte. Sie legte meine Tochter auf meine Brust, sie war so…perfekt. Oh mein Gott, sie war so klein, so süß, so schön, sie war da. Wie ist denn das jetzt passiert? Sie war doch gerade noch in mir drin. „Valentina, mein Schatz, ich liebe dich so.“, dachte ich, aber sagen konnte ich nur: „Oh, oh, oh.“. Mein Mann erzählte mir im Nachhinein, dass er das so süß fand, weil ich nichts anderes als das gesagt habe, das lag wohl an der Narkose.

Da lag sie nun, dieses kleine perfekte zuckersüße Wesen. Durch die Schmerzen konnte ich mich nicht richtig bewegen, aber das Küssen habe ich mir nicht nehmen lassen, das habe ich noch geschafft. Ich sage euch, es lief alles anders ab, als ich es geplant und mir auch gewünscht habe. Nichtsdestotrotz ist unsere Tochter gesund auf die Welt gekommen und hat unser Leben bereichert, egal wie sie zur Welt kam. Natürlich wird mich dieses Erlebnis nie mehr loslassen, ich würde sagen, dass es ein traumatisches Erlebnis war, aber mit Happy End.

Ich danke euch sehr fürs Lesen und die Geduld, die ihr mit diesem Thema und mit mir erbracht habt. Ich freue mich darauf euch bald wieder auf meinem Blog begrüßen zu dürfen.

Eure Maria Saso

 

Beitragsbildnachweis © Janina Kampe – www.janinakampe.de

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