Möhre gut, alles gut! – Beikosteinführung

MariaSaso_ersterBrei

Ich möchte euch gerne von unseren Erfahrungen mit der Beikost berichten. Wie und wann haben wir mit der Beikost angefangen? Wie hat es sich entwickelt und was ist der aktuelle Stand?

Vorab möchte ich euch kurz erklären für welche Art Beikost wir uns entschieden haben. Viele von euch werden sich jetzt fragen, warum ich etwas von „Art“ der Beikost erwähne. Das liegt wohl daran, dass die meisten Menschen in unserer Gesellschaft Brei als Einführung kennen, aber es gibt auch die Variante weichgekochte Stücke anzubieten. Diese Art der Beikost nennt man Baby Led Weaning. Um ehrlich zu sein haben wir uns damals gar nicht „entschieden“. Wir haben einfach  mit Brei angefangen und parallel auch das Wasser- bzw. Teetrinken eingeführt, weil wir es gar nicht anders kannten.

Valentina war ca. 5 Monate alt, als sie schon die ersten Anzeichen machte, dass ihr die Milch nicht mehr ausreicht. Während wir aßen, verfolgte sie alles, was wir in den Mund genommen haben. Sie versuchte danach zu greifen und war total fasziniert. Kurze Zeit später hat sie begonnen während unserer Mahlzeit zu schreien und zu meckern. Erst dachte ich, dass es vielleicht das Zahnen sei, das sie quält und habe mir nichts weiter dabei gedacht. Schließlich hat sie mit 5,5 Monaten die Flasche verweigert und irgendwie hatte ich im Gefühl, dass sie jetzt nicht nur noch Milch haben möchte. Ich habe mich mit meiner Hebamme abgesprochen und klassisch mithilfe eines Buches mittags mit Möhrenbrei angefangen.

Mir war und ist es sehr wichtig, dass Valentina selbstgemachten Brei bekommt, da ich diesen Gläschen nicht so traue. Damit möchte ich Gläschen, also Fertigbrei, nicht schlecht machen, aber wir Erwachsenen essen ja auch nicht morgens, mittags und abends ständig Tiefkühl- bzw. Fertigprodukte. Somit habe ich Möhrenbrei für eine Woche vorgekocht und portioniert eingefroren. Als ich sie dann in den Hochstuhl setzte (sie saß schon lange super gut, immer mal für 5-10 Minuten), sah sie mich schon ganz aufgeregt an. Ich hab ihr den kleinen Löffel hingehalten und sie brauchte erstmal einen Moment, um zu verstehen was nun von ihr erwartet wird. Dann machte sie den Mund auf und runter damit. Sie hat nichts nach vorne geschoben, das ging direkt rein und sie hat es genossen. Ich war natürlich stolz, wie Bolle. Welche Mama wäre das nicht?

Zu Beginn aß sie nur wenige Löffelchen, dann hat sich die Menge Tag für Tag etwas erhöht. Als ich merkte, dass sie Möhre gut verträgt, habe ich Kartoffel hinzugemischt. In meinem Buch wurde empfohlen alles Neue eine Woche lang auszuprobieren, um Allergien möglichst schnell feststellen zu können. Meine Hebamme jedoch sagte, dass 3 Tage Testzeit vollkommen ausreichen würden. Somit folgte ich ihrem Rat und habe das neue Nahrungsmittel immer 3 Tage getestet und dann wieder neuen Brei vorgekocht. Nachdem wir ca. 2 Wochen Mittagsbrei sehr gut eingeführt haben, hat Valentina immer schlechter an der Flasche getrunken. Also habe ich kurz vor Weihnachten den Abendbrei eingeführt. Dinkelgrießbrei mit etwas Möhre (da sie Möhre ja schon gut vertragen hat).

Ziemlich schnell wollte sie abends auch nur noch Brei haben, die Flasche wurde einfach nur noch angeschrien. Valentina war ziemlich schnell, was die Beikosteinführung anging, denn direkt zu Beginn des neuen Jahres haben wir auch schon nachmittags Obstmus ausprobiert. Auch diesen habe ich vorgekocht und in Eiswürfelformen eingefroren. Erst eine Obstsorte, dann gemischt mit der nächsten und so weiter. Irgendwann habe ich Getreide hinzugefügt. Erst fing ich mit zarten Haferflocken an, musste dann aber auf 3-Korn Schmelzflocken umsteigen, da sie an den Haferflocken irgendetwas gestört hat.

Nachdem wir den Mittags-, Abends- und Nachmittagsbrei erfolgreich eingeführt haben, hat sie wieder die Flasche und aber plötzlich auch den Brei verweigert. Sie schrie und wandte sich dem Löffelchen und der Flasche ab. Ihr könnt euch vorstellen, dass ich echt kurz vorm verzweifeln war. Was stimmt denn nicht? Schmeckt ihr der Brei nicht? Hat sie vielleicht keinen Hunger, weil sie die Flasche auch nicht wollte? Ich hab so viel ausprobiert, bis ich auf die Idee kam einfach mal etwas Vollkorntoast ohne Rand anzubieten. Siehe da, sie aß es mit Genuss. Sie hatte zu diesem Zeitpunkt unten bereits zwei Zähne und wollte diese wohl auch einfach mal benutzen.

Ich musste mir nun etwas Neues ausdenken. Sie mag keinen Brei mehr, was mach ich denn nun? Ich kann ihr doch nicht zu jeder Mahlzeit Vollkorntoast mit Leberwurst oder Frischkäse geben. Sie muss doch auch andere Nährstoffe bekommen. Also habe ich im Internet etwas über Baby Led Weaning recherchiert, denn gehört hatte ich das schon einmal. Schnell habe ich aber bemerkt, dass mir diese Art der Beikost etwas zu extrem ist. Gewisse Regeln müssen eingehalten werden, die ich persönlich für mein Kind nicht so durchführen möchte. Also habe ich angefangen ein Zwischending einzuführen. Ich fing an weiche Gemüsestücke anzubieten, allerdings habe ich sie ihr nicht hingelegt, damit sie sich selbst bedienen konnte, sondern vor den Mund gehalten und auf ihre Reaktion gewartet.

Und wieder hat sich ihr Essverhalten geändert, sie mochte die Stücke sehr gerne. Ich hatte etwas Bedenken muss ich gestehen, da sich Valentina sehr oft verschluckt hatte. Dennoch habe ich ihr weiterhin feste Nahrung angeboten und sie dazu ermutigt schön zu kauen. Als Eltern  muss man sich daran gewöhnen, dass sich Babys und Kleinkinder auch öfter mal verschlucken. Sie müssen nun einmal das alles erst lernen, was wir für selbstverständlich empfinden. Valentina kann super gut abhusten, manchmal braucht sie ein oder zwei Huster und manchmal auch etwas mehr, aber sie schafft es immer alleine. Sie aß bislang auch immer weiter, selbst wenn sie sich zuvor heftig verschluckt hat. Daran musste ich mich erst gewöhnen, aber jetzt bleibe ich dann auch immer total ruhig und ermutige sie zu husten und lobe sie dann natürlich auch, wenn sie es geschafft hat.

Wie genau sieht denn das aktuelle Ess- bzw. Trinkverhalten aus? Sie trinkt mittlerweile sehr gerne ungezuckerten Frückte- oder Kräutertee, aber auch Wasser darf es mal sein.  Valentina beginnt den Tag mit Brot und etwas Banane oder Milchbrei mit Obstmus. Ich wechsle das immer etwas ab, damit es nicht so eintönig wird. Bis zum Mittagessen gibt es Hirsekringel oder etwas Banane auf die Hand, mittlerweile (9 Monate) kann sie Essen sehr gut halten und mit dem Daumen und Zeigefinger aufheben. Mittags gibt es was vom Tisch, mit etwas weniger Salz und Gewürzen. Falls sie etwas gar nicht leiden mag, biete ich ihr dann Brei gemischt mit Stücken an (ich muss ja meinen Vorrat nun mal langsam aufbrauchen). Am Nachmittag bekommt sie wieder nur eine Kleinigkeit zum Knabbern oder etwas Obstmus. Am Abend isst sie dann mit uns Brotzeit und bekommt vor dem Schlafen noch eine Flasche. Nachts wacht sie dann auch wieder für eine Flasche auf und schläft dann direkt weiter.

Nun kennt ihr unseren aktuellen Stand, der sich aber wöchentlich verändern kann. Ich habe gelernt, dass jede Routine, die man sich hart erarbeitet hat, innerhalb kürzester Zeit in ein totales Durcheinander verändern kann. Aber das ist nun einmal das Leben der Eltern, eine große Überraschung. Wir dürfen alle nie vergessen, dass jedes Kind individuelle Bedürfnisse, Stärken und sogar Schwächen haben kann. Wir können unserem Kind zeigen, was die Welt zu bieten hat, aber wir sollten es nicht zwingen alles genau nach unseren Vorstellungen zu machen. Falls ihr unsicher seid, ob ihr alles richtig macht, so versucht auf euer Kind einzugehen. Zwingt es nicht krampfhaft so früh es geht mit Beikost loszulegen, wartet gewisse Anzeichen ab. Es gibt sogenannte „Beikost-Reifezeichen“, die helfen sollen den richtigen Zeitpunkt für den Beikost-Start zu finden. Zu diesen Zeichen kursieren im Internet diverse unterschiedliche Listen, die ich aber nicht alle zitieren kann. Ich möchte euch aber die Liste des Bundeszentrums für Ernährung nicht vorenthalten:

  • Das Baby kann mit Hilfe aufrecht sitzen und den Kopf selbstständig halten.
  • Es interessiert sich dafür, was Eltern, Geschwister und andere Personen essen.
  • Es verlangt nach dem, was andere essen.
  • Es öffnet den Mund, wenn der Löffel kommt.
  • Es drückt den Brei nicht mehr mit der Zunge aus dem Mund.

Diese Liste ist ziemlich „harmlos“ im Vergleich zu anderen Listen. Oftmals heißt es, dass das Baby sich sogar von alleine hinsetzen und/oder mit zwei Fingern greifen und etwas zum Mund führen muss. Valentina kann bzw. möchte sich bis heute noch nicht alleine hinsetzen und mit zwei Fingern kann sie erst seit ca. einem Monat kleine Stücke gut greifen und in den Mund legen. Somit hätte ich laut den anderen Listen noch gar nicht mit der Beikost anfangen dürfen. Sie hat zb. erst durch das Essen von Stücken gelernt ihre Finger gezielt einzusetzen. Ich kann doch nicht erwarten, dass sie etwas kann ohne vorher damit in Berührung gekommen zu sein! Learning by doing heißt es doch immer, warum müssen aber Babys das schon können?

Mein Mann und ich haben auf unser Kind gehört, wir haben versucht herauszufinden, was ihr Problem war, als sie plötzlich immer so geschrien und die Flasche verweigert hat. Reifezeichen waren mir vorher ein Fremdwort, erst als ich nach Breirezepten im Internet gesucht habe, wurde ich damit konfrontiert. Wir hatten also instinktiv gehandelt, dennoch muss ich zugeben, dass im Nachhinein betrachtet die oben genannten Zeichen erfüllt waren. Sie saß mit Hilfe aufrecht und konnte ihren Kopf halten. Das Interesse und Verlangen nach unserem Essen war ebenfalls gegeben. Als wir ihr den Brei angeboten haben, öffnete sie ihren Mund und schluckte ihn runter. Ohne es vorher gewusst zu haben, hat sie diese Zeichen erfüllt. Also haben wir alles richtig gemacht, oder war das Zufall? 🙂

Ich danke euch fürs Lesen und hoffe euch bald wieder auf meinem Blog begrüßen zu dürfen.

Eure Maria Saso

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