Aber wohin mit der Kacka?

MariaSaso-Stoffwindel

„Aber wohin mit der Kacka? Das ist doch eklig!“ Diese Frage (eigentlich schon eher ein Vorwurf) habe ich schon so oft zu hören bekommen, wenn ich erzählt habe, dass wir mit Stoff wickeln. Aber nicht nur das bekamen wir zu hören. Ihr denkt womöglich, gerade auch so das Eine oder Andere. Vielleicht erkennt ihr eure Gedanken in diesen Aussagen:

„Die müssen ja ständig gewaschen werden, das ist doch total umständlich!“

„Das stinkt doch dann total, oder?“

„Das ist doch mit Sicherheit total teuer, lohnt sich das?“

„Aber die Wegwerfwindeln sind doch viel einfacher!“

„Also ich werfe lieber die Windeln weg, wir sind doch nicht mehr in der Steinzeit.“

„Willst du dir das wirklich antun?“

„Oh mein Gott, du kaufst diese Windeln sogar gebraucht?“

Na? Habt ihr eure Gedanken hier wiedergefunden? Wenn ja, dann ist das vollkommen in Ordnung. Früher, bevor ein Kind überhaupt in Planung war, habe ich mir nie wirklich Gedanken über das Thema Windeln gemacht. Über das Stillen und Erziehungsfragen habe ich mir eigentlich schon sehr früh Meinungen gebildet, aber Stoffwindeln haben mich vorher nie so richtig beschäftigt. Erst als ich schwanger wurde und ich mich dann auf meine Aufgabe etwas vorbereiten wollte (ihr wisst ja, dass ich so ein Kontrollfreak bin), kam ich mit diesem Thema in Berührung. Nachdem ich wirklich sehr viel darüber gelesen und mir alle Informationen eingeholt hatte, erzählte ich meinem Mann davon. Überraschender Weise war er ebenfalls sehr schnell davon überzeugt, dass wir mit Stoff wickeln sollten.

In diesem Beitrag möchte ich euch jetzt (noch) nicht mit Daten, Fakten und Marken vollquatschen, sondern einfach nur unseren Standpunkt und unsere Handhabung ein wenig aufzeigen. Ich habe während meiner Schwangerschaft fleißig recherchiert und festgestellt, dass es ein paar unterschiedliche Systeme gibt. Auf einmal las ich etwas von Überhosen, All-In-One, Nachtwindeln, Mullwindeln und noch mehr komisches Zeug. Bitte was? Was soll denn daran jetzt so eine Kunst sein? Also entschied ich mich nach gebrauchten Stoffwindeln Ausschau zu halten. Hierbei habe ich keine Bedenken gehabt. Ich muss ja immerhin die Windeln meines Kindes auch waschen und es gibt ja Hygienespüler. Also habe ich lediglich darauf geachtet, dass die Windeln in einem sehr guten bis guten Zustand waren, um den maximalen Nutzen daraus noch ziehen zu können.

Ich habe viele gebrauchte Windeln gefunden und habe mir dann ein Startpaket aus verschiedenen Systemen zusammengestellt. Hierbei muss ich mir selbst einmal auf die Schulter klopfen, denn das hatte sich dann als sehr gute Entscheidung bewährt. Wieso das so war? Nunja, stellt euch vor, ich hätte alle Systeme neu gekauft, um dann alle doof zu finden oder sogar grundsätzlich mich gegen Stoff zu entscheiden. Dann hätte ich mich doch etwas arg geärgert. So konnte ich die Systeme testen, ohne dass es wirklich im Geldbeutel wehtat. Als Valentina auf die Welt kam, haben wir die ersten zwei Wochen mit Wegwerfwindeln gewickelt, da ich durch den Kaiserschnitt sehr geschwächt und auch psychisch noch nicht so auf der Höhe war. Meinem Mann wollte ich dann diesen Praxistest der Stoffwindeln nicht antun, somit haben wir dann erst mit Stoffwindeln angefangen, als es mir dann besser ging und ich körperlich einigermaßen wieder auf der Höhe war.

Wir haben dann schnell festgestellt, dass das Überhosensystem mit Klettverschlüssen zu uns einfach am besten passt. So etwas stellt man einfach erst in dem Praxistest fest. Die anderen Systeme, die ich euch gerne dann in den nächsten Beiträgen kurz erklären möchte, haben alle auch ihren Reiz, aber sie passten einfach nicht zu uns. Was habe ich denn nun mit den ganzen Windeln gemacht, die nicht zu uns passten? Ich habe sie weiterverkauft mit kaum bis gar keinem Verlust. Als wir endlich unser System entdeckt hatten, haben wir dann natürlich nachgerüstet und auch sehr viel gebraucht, aber ein paar Sachen auch neu gekauft. Wir sind dann richtig aufgeblüht, als wir uns endlich für ein System entschieden hatten. Auch jetzt sind wir noch total überzeugt vom Wickeln mit Stoff.

Wenn ihr euch noch nie mit diesem Thema auseinandergesetzt habt, kann ich eure Gedanken total gut nachvollziehen, denn so ging es mir früher auch. Ich dachte immer, so etwas machen doch nur Ökos und Hippies. 😀 So viel zum Thema Schubladendenken. Demzufolge müsste ich mich selbst in die Schublade Öko stecken, nur aus dem Grund, da die Themen Umwelt und Nachhaltigkeit in meinem Leben eine wichtige Rolle spielen. Ich kann und möchte nicht mein ganzes Leben danach auslegen, aber in vielen Bereichen versuche ich mein Bestmöglichstes zu tun. Als ich immer diese Müllhaufen bei Bekannten und Verwandten sah, die durch Wegwerfwindeln und dem ganzen Zubehör entstanden sind, habe ich mich immer wieder bestätigt gefühlt mit Stoffwindeln etwas Gutes für die Umwelt zu tun.

An dieser Stelle möchte ich aber mal eins sagen: Es ist vollkommen in Ordnung, wenn ihr anderer Meinung seid. Natürlich versuche ich meine LeserInnen von meiner Einstellung zu überzeugen, aber ich kann ebenfalls verstehen, wenn jemand seiner Meinung weiterhin treu bleibt. Ebenso kann ich auch alle Vorteile von Wegwerfwindeln nicht leudnen. Es ist nun einmal einfach die Windel wegzuschmeißen. Aus den Augen, aus den Sinn. Genau aus diesem Grund wurden Wegwerfwindeln überhaupt einmal erfunden. Stoffwindeln sind ja keine weltbewegende Neuheit, sondern eher eine altbewährte Methode. Der Unterschied zu den alten Stoffwindeln ist die Handhabung. Früher musste man Stoffwindeln im Kochtopf richtig kochen, um diese hygienisch sauber zu bekommen. Anschließend haben sie immer in der Sonne trocknen müssen, damit die Flecken ausbleichen konnten.

Heutzutage sind die Stoffwindeln auf die heutige Zeit angepasst. Was bedeutet das? Zum einen haben wir Gott sei Dank Waschmaschinen. Wir müssen die Windeln nicht mehr im Kochtopf kochen und in der Sonne aufhängen. Es gibt Hygienespüler, diverse Waschmittel oder Wascheier (was wir z.B. benutzen) und Fleckenentferner. Heute weiß man auch, dass Stoffwindeln gar nicht gekocht werden müssen bzw. sogar erst gar nicht gekocht werden sollen. Ebenso ist man heutzutage auch schlauer was die Aufbewahrung benutzter Stoffwindeln angeht. Luft spielt hierbei eine sehr wichtige Rolle. Mein Mann fragte mich damals, wie wir denn die Stoffwindeln bis zum Waschen lagern werden, wenn diese gebraucht sind. Wir bräuchten einen Behälter, den man schließen könne. Falsch gedacht! Genau das ist nämlich ein totales Tabu bei benutzten Stoffwindeln. Sie brauchen nämlich Luft, damit sich kein Ammoniak bilden kann, welches giftig ist und extrem beißend und unangenehm riecht.

Ihr glaubt es mir vielleicht nicht, aber der Windeleimer bleibt bei uns offen und riecht wirklich kaum nach Pipi oder mehr. Mülleimer für Wegwerfwindeln riechen 100-mal schlimmer als unser Eimer. Das klingt verrückt, aber total sinnig. Warum das so ist, möchte ich euch jetzt hier nicht erläutern, da ich das in einen gesonderten Beitrag mit dem Thema Waschen verbinden möchte. Das würde hier sonst den Rahmen sprengen. Ich wasche die windeln mittlerweile alle 4-5 Tage. Als Valentina noch kleiner war und somit auch oft Stuhlgang mit dabei war, habe ich alle 3 Tage waschen müssen. Je nachdem, wieviel Vorrat man hat, kann man etwas länger mit dem Waschen warten, aber länger als 5 Tage sollte man das dann doch nicht liegen lassen.

Wir benutzen auch zu bestimmten Gelegenheiten mal eine Wegwerfwindel. Warum das so ist? Zum einen kommt Oma damit besser zurecht. Valentina gebe ich immer mit Stoffwindel ab, bekomme sie dann aber mit Wegwerfwindel wieder. Das ist ok für mich, ich möchte niemand dazu zwingen Stoffwindeln zu nutzen. Auch wenn wir eine lange Zeit am Stück unterwegs sind (also mit Übernachtungen) und wir keine Möglichkeit haben die Stoffwindeln zu lagern bzw. zu waschen, nutzen wir Wegwerfwindeln. Ich nehme dann für den Tag der Rückfahrt aber Stoffwindeln mit, da ich sie ja abends wieder normal lagern oder sie ggf. dann Zuhause waschen kann.

Das ist so der erste kleine Einblick in unser Stoffwindel-Leben. In den nächsten Beiträgen werde ich dann auf die einzelnen Systeme, Vor-und Nachteile,  das Waschen an sich und unsere Erfahrungen mit Marken etc. eingehen. Über Fragen zu diesem Thema würde ich mich sehr freuen. Schreib mir doch einfach hier über die Kommentarfunktion, per Mail oder gerne auch über Instagram.

 

Ich danke euch fürs Lesen und hoffe euch bald wieder auf meinem Blog begrüßen zu dürfen.

Eure Maria Saso

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