Ich kann mein Kind nicht ernähren – Meine Stillgeschichte

In diesem Beitrag spreche ich ein sensibles Thema an. Das Stillen. Um genau zu sein… meine Stillgeschichte. Hier geht es nicht darum Grundsatzdiskussionen zu führen und meinen Standpunkt jemandem aufzuzeigen, hier geht es um meine ganz persönlichen Wünsche, Vorstellungen und Erfahrungen mit dem Thema Stillen.

Wenn Frauen das Thema Stillen ansprechen, haben sie oft eine feste Meinung zu diesem Thema. Geht oder geht gar nicht. Ob sie nun schon Kinder haben, eins gerade erwarten oder noch keine planen, eigentlich haben die meisten Frauen schon einmal an das hypothetische Stillen gedacht und sich vielleicht auch schon klar positioniert. Ich habe noch bevor Kinder in Planung waren bereits einen Standpunkt dazu gehabt. JA zum Stillen! Warum das bei mir so war? Ich habe nicht wirklich was vorher darüber gelesen oder mich mit anderen Frauen darüber ausgetauscht. Nein, ich empfand es einfach als das Natürlichste der Welt.

Als ich dann schwanger wurde, habe ich mich natürlich informiert, belesen und verschiedene Meinungen eingeholt. Das Stillbuch habe ich ebenfalls als Abendlektüre gelesen, denn ihr wisst ja… ich wollte auf alles vorbereitet sein. Ich wusste nun, wie Muttermilch und die Ersatznahrung aufgebaut sind. Auch was von beiden Varianten die Vor- und Nachteile sind habe ich mir ganz genau angesehen. Mein Entschluss stand fest. Weiterhin JA zum Stillen! Die Flasche kommt mir gar nicht in die Tüte. Naja, vielleicht mal abgepumpt, aber niemals werde ich meinem Kind Ersatznahrung geben. Das geht ja mal gar nicht! Nur das Beste für mein Kind!

Kennt ihr das? Ihr stellt euch schon richtig visuell Dinge vor, auf die ihr euch freut? Ich habe mich aufs Stillen so sehr gefreut, dass ich mir das Bild von mir und meinem Kind beim Stillen richtig gut vorstellen konnte. Es wird so schön sein zu stillen, die Bindung zu meinem Kind wird einfach nur emotional und vertraut. Die Vorstellung war sooooo schön, dass ich schon allein nur bei dem Gedanken voller warmer Glückgefühle erfüllt wurde. Es war einfach nur wunderbar sich diese Vertrautheit und Nähe vorzustellen. In der Öffentlichkeit stillen? Na klar! Das Natürlichste auf der Welt darf Frau nicht verstecken, es gibt ja Stillschals und Rückzugsorte, wenn man nicht unbedingt auf dem Präsentierteller sein möchte, aber ich werde mich nie nie niemals verstecken. Das ist doch totaler Quatsch!

Ihr könnt euch nun denken, was passiert ist oder? Wie auch die Geburt, ist das Stillen etwas anders verlaufen, als erhofft. Im Krankenhaus wurde mir ganz schnell bewusst, dass Stillen zu allererst sehr harte Arbeit sein kann. Natürlich habe ich vorher gewusst, dass es bis zum Milcheinschuss wehtun kann, sich die Brustwarten eventuell entzünden und die Milch manchmal erst etwas später kommt. Aber MIR passiert das alles doch niemals. Naja, genau das ist mir nun einmal passiert. Durch die Schmerzen des Kaiserschnitts und dem Baby Blues war das Stillen in den ersten Tagen ein für mich sehr leidendes Thema. Zum einen musste ich immer danach fragen, dass mir jemand mein Kind doch bitte geben könne, da ich es ja nicht heben konnte und zum anderen haben Valentina und ich nicht so ganz beim Anlegen harmoniert. Ich war sehr angespannt und voller Schmerzen durch den ganzen Umstand, Valentina war super unruhig und hat natürlich meine Unsicherheit bemerkt.

Somit hatte ich ziemlich schnell blutende Brustwarzen und das Gefühl keine gute Mutter sein zu können. Hey halt! Wenn das alles nicht sofort klappt, hat das doch nichts mit meinem Können als Mama zu tun…DAS weiß ich jetzt auch. Ihr müsst euch aber vorstellen, dass der Baby Blues diese Logik total ausgeblendet hat. Ich hatte dann am dritten Tag einen totalen Gefühlsausbruch. Den ganzen Tag habe ich nur geheult, Besuch abbestellt und mich selbst fertig gemacht. ICH KANN MEIN KIND NICHT ERNÄHREN! Das war mein einziger Gedanke. Zudem war es Hochsommer und unerträglich schwül, meine Maus hatte ständig nur geheult und geschrien. Sie hat das rausgelassen, was ich gefühlt habe. Es war zum Mäuse melken. Zudem hat mein Milcheinschuss durch den Kaiserschnitt auch etwas auf sich warten lassen. Die Mamis unter euch, die gestillt haben bzw. stillen wissen ganz genau wie das ist. Man wartet sehnsüchtig auf den Milcheinschuss, damit sein Kind sich endlich mal satt trinken kann.

Als dieser endlich kam, war ich total dankbar, aber die Schmerzen waren so schlimm, dass ich mir während des Stillens Tränen und fluchen nicht verkneifen konnte. Es war alles wund, die Salbe hatte nicht wirklich Linderung verschafft und die Nerven lagen blank. Dennoch konnte Valentina sich endlich satt trinken und wurde dadurch auch schon etwas ruhiger. Ab diesem Zeitpunkt hatte ich tatsächlich immer Angst davor, dass sie wieder kam und gestillt werden wollte. Ich hatte Angst vor den Schmerzen. So begann unsere etwas chaotische Stillgeschichte.

Kurz bevor wir endlich nachhause fuhren, haben wir noch an einer Apotheke gehalten und Stillhütchen gekauft. Ich weiß, darüber streiten sich die Geister und Stillberaterinnen empfehlen sie nicht, aber ich musste es einfach probieren. Siehe da, es klappte plötzlich viel besser. Meine Brustwarzen konnten sich langsam erholen, Valentina konnte schneller trinken und nach 3 Wochen habe ich die Stillhütchen auch nach und nach wieder abgesetzt. Danach war ich auch nie mehr wund und Valentina kam auch super ohne die Hütchen klar. Langsam aber sicher konnten wir uns eine Stillbeziehung aufbauen. Allerdings hat diese nicht lange harmonisch funktioniert. Meine linke Brust hat fast nichts produziert und meine rechte hat es nicht ausgeglichen. Ich fing an abzupumpen, damit ich Valentina wenigstens abends eine „volle Dosis“ verabreichen konnte und die Milchproduktion vielleicht angeregt wird.

Valentina wurde immer unruhiger beim Trinken, sie war genervt und wollte einfach nicht lange und intensiv an der Brust saugen. Demzufolge musste ich zum Schluss während eines Stillvorgangs bis zu sechs Mal die Brust hin- und herwechseln. Dennoch wurde die Milch nicht mehr. Es war echt sehr deprimierend. Ich habe mehrfach täglich und jeden Abend zwei Mal abgepumpt, um wenigstens ab und an mal ihr die Flasche geben zu können, damit sie einfach  auch zufrieden ist. Während eines Abpumpvorgangs habe ich mir mühevoll nur 60-80 ml abpumpen können. Babys trinken allerdings, wenn sie größer sind, viel viel viel mehr. Meine Hebamme hat mir diverse Tees, Nahrungsergänzungsmittel, Malz und andere Dinge empfohlen, die ich alle ausprobiert habe. Ebenso habe ich darauf geachtet viel Wasser zu trinken und mich ausgewogen zu ernähren.

Leider hat davon nichts ein Wunder bewirkt, somit musste ich nach 3,5 Monaten Vollstillen Pre zufüttern. Ziemlich schnell hat sich Valentina von der Brust entfernt. Es war nun einmal einfacher für sie die Flasche zu nehmen und vor allem war sie nach einer Mahlzeit satt. Ich habe dennoch so lange es ging weiter abgepumpt, damit sie noch so viel Muttermilch, wie möglich bekommt. Weiterhin habe ich sie auch angelegt, bevor sie die Flasche bekam, da ich die Hoffnung hatte, dass es ja vielleicht doch noch klappen könnte. Mit der Zeit wollte sie nicht mehr an die Brust und das hatte mich ziemlich traurig gestimmt. Mit 4,5 Monaten war unsere Stillbeziehung leider beendet.

Wie war das denn in der Öffentlichkeit? Naja, wenn wir beide eine einigermaßen gute Stillbeziehung gehabt hätten, wäre ich mit Sicherheit entspannter gewesen, aber dem war nicht so. Ich habe Angst davor gehabt, dass ich in der Öffentlichkeit stillen muss. Durch das ständige Brustwechseln während einer Mahlzeit, hätte ich mich obenrum komplett frei machen müssen und das war mir zu viel. Die Blicke von Außenstehenden konnte ich einfach nicht Stand halten. Selbst vor meiner Mama und meiner Schwiegermama fiel es mir deutlich schwer zu stillen. Das hatte natürlich auch damit zu tun, dass ich mich in meinem Körper so unwohl gefühlt habe und Valentina so super unruhig und ungeduldig war. Sie hat mir nicht einmal die Zeit gegeben eine Brust frei zu machen, ohne sich die Seele aus dem Leib zu schreien. Also kam ich nur schon beim Brust frei machen total ins Schwitzen, man möchte ja nicht auffallen…

Ihr  seht nun, dass wieder einmal mein Plan nicht wirklich aufging. Es waren einfach mehrere Faktoren, die mir Steine in den Weg gelegt haben, natürlich habe ich sie mir selbst auch gelegt. Im Nachhinein betrachtet, bereue ich es nicht irgendwann mit Pre-Nahrung angefangen zu haben. Eigentlich wollte ich das nie nie niemals machen, aber die Stimmung hat sich auf einmal komplett gedreht. Valentina war viel zufriedener und ausgeglichener und ich war mit der Zeit auch entspannter. Natürlich bin ich auch sehr traurig, dass es nicht geklappt hat, aber ich habe alles ausprobiert und mit meiner Hebamme echt daran gearbeitet, aber mehr als 3,5 Monate Vollstillen waren leider nicht drin. Dennoch bin ich sehr stolz darauf es so lange geschafft und mein Bestes gegeben zu haben.

Ich wünsche mir sehr, dass es beim nächsten Kind besser klappt und ich auch meine Scham überwinde in der Öffentlichkeit zu stillen, denn Stillen ist das natürlichste auf der Welt. Nie mehr möchte ich mich von den Blicken Außenstehender beeindrucken lassen, wenn ich mein Kind stillen möchte. Nie mehr möchte ich mich unter Druck gesetzt fühlen, dass alles sofort klappen muss. Nächstes Mal möchte ich frei und einfach nur Mama sein!

Ich danke euch fürs Lesen und hoffe euch bald wieder auf meinem Blog begrüßen zu dürfen.

Eure Maria Saso

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