Höher, schneller, weiter!

Höher, schneller und weiter. Wir alle kennen dieses Phänomen unserer Generation. Wir werden mittlerweile leider schon von klein auf dazu getrimmt immer besser als alle andere sein zu  müssen. Sei aktiver! Sei schlauer! Sei hübscher! Mit diesen oftmals indirekt formulierten Aufforderungen nimmt das Übel seinen Lauf.

Viele nennen es Ziele, Ehrgeiz oder Fleiß. Ich nenne dies Druck, Egoismus und Stress. Das mag jetzt alles sehr überspitzt sein, aber tief in euch drin stimmt ihr mir wenigstens ein bisschen zu oder? Ich bin z.B. auch ein sehr ehrgeiziger Mensch. Wenn ich  mir etwas vornehme, dann versuche ich das auch zu schaffen. Manchmal mache ich mir dann so einen Druck dabei, dass ich wirklich in Depressionen verfalle, wenn ich mein Ziel nicht erreiche. Wenn ich Depressionen sage, dann meine ich das tatsächlich auch so.

Natürlich ist man auch mal nicht so gut drauf und es ist auch ok geknickt zu sein, wenn etwas nicht so richtig funktioniert. Allerdings sollte diese Enttäuschung in einem Rahmen sein, der es einem ermöglicht wieder aufzustehen, den Staub abzuklopfen und weiter zu machen. Bei Depressionen ist das allerdings etwas anders, da ist es nicht so einfach schnell aufzustehen und weiterzumachen. Einigen von euch werde ich mit diesem Blogbeitrag bestimmt aus der Seele reden. Ich möchte hiermit keine Grundsatzdiskussion beginnen, aber zum Nachdenken anregen.

Warum ich mit euch dieses Thema teile? Weil ich an mir selbst gemerkt habe, wie sehr mich dieser Druck, der Egoismus und der damit verbundene Stress unglücklich macht. Warum sehnen sich so viele in unserer Gesellschaft  nach der Ferne, nach Leichtigkeit und einer stressfreien Umgebung? Weil es bei uns nun einmal nicht so ist. Jetzt sagen viele bestimmt, dass es nun einmal nicht anders in unserer Gesellschaft ginge, aber ich sage dass das nicht stimmt. WIR sind die Gesellschaft! WIR bestimmen was wir unserem Umfeld für ein Gefühl geben und welche Gefühle wir in unserem Leben zulassen.

Ich möchte mich nicht mehr schlecht fühlen, wenn jemand aktiver, schlauer oder erfolgreicher ist. Ich möchte nicht mehr das Gefühl haben minderwertig zu sein, wenn ich sage, dass ich für mein Studium mehr Zeit benötigt habe, als es der „Norm“ entspricht. Hierbei geht es nicht darum, dass mein Selbstwertgefühl angeknackst ist oder ähnliches, nein hier geht es um eine Denkweise, die mir leider in der schulischen und beruflichen Laufbahn indirekt eingepflanzt wurde. Ich möchte mich davon emanzipieren!

Jetzt bin ich Mutter, ich trage nun nicht nur für mich alleine die Verantwortung, sondern auch für mein Kind. Ich möchte nicht, dass mein Kind diese Gefühle in sich trägt. Valentina soll auch ehrgeizig sein und Disziplin beweisen können, aber nur in dem Rahmen, den sie sich selbst festlegt. Falls sie einen Hauptschulabschluss macht und eine Lehre als Bäckerin absolviert, soll sie sich genauso wunderbar fühlen, wie ein Mensch, der Abitur und ein Studium absolviert hat. Wisst ihr was ich meine?

Es ist so schwer dieses Thema in einige wenige Worte zu fassen, sodass es genauso rüberkommt, wie ich es meine. Ich möchte einfach, dass mein Kind lernt, dass man anhand der schulischen und beruflichen Erfolge, die man im Leben erreicht hat, nicht besser oder schlechter ist. Das sollte einfach nicht das Maß sein, an dem wir einem Menschen als einen guten oder schlechten Menschen einstufen. Wir sollten viel mehr ins Innere unseres Gegenübers und auch in unser eigenes Innere schauen. Sind wir empathisch? Sind wir hilfsbereit? Geben wir gerne? Gönnen wir unserem Gegenüber auch etwas?

Ich bekomme leider sehr oft mit, dass Neid unser Denken unbewusst beeinflusst. Ist unserem Gegenüber (oftmals sind Familie und enge Freunde davon eher ausgenommen) was total Schönes wiederfahren, dann versuchen wir das bei Anderen oder in unseren Gedanken schlecht zu reden. Beispielsweise übt dein Gegenüber einen Beruf aus, der es zulässt viel zu reisen. Dieser ist nun im wunderschönen Thailand, das du vielleicht aufgrund finanzieller Umstände nie erreichen könntest. Du sagst dir oder auch anderen, dass dieser Mensch mal lieber etwas Sinnvolles mit seiner Zeit anstellen und vielleicht mal seinen Garten umgraben solle, denn er habe ja Zeit ohne Ende und wüsste dies nicht zu schätzen.

Das ist jetzt ein total doofes Beispiel, aber ihr wisst worauf ich hinaus möchte oder? Bitte versteht dies nicht falsch, aber viele von uns gönnen dem Gegenüber nicht wirklich viel. Vielleicht weil wir uns auch danach sehnen so etwas zu machen? Das ist zumindest oft der erste Grund, der für so ein Verhalten genommen wird. Ich sage aber, wir gönnen nicht, weil wir unbewusst diesen Menschen als besser empfinden und wir uns dadurch minderwertig fühlen. Also versuchen wir das wieder ins Gleichgewicht zu bringen, indem wir diese Person schlecht reden oder schlechte Eigenschaften aufzählen.

Wollen wir denn wirklich so durchs Leben gehen? Ich möchte das nicht und möchte, dass mein Kind auch nicht so durchs Leben gehen soll. Freuen wir uns doch für diesen Menschen. Thailand!!!!! Hallo? Wie geil ist das denn? Ein wunderbares Land, es gibt viel zu sehen und zu erleben. Schick doch mal ein tolles Bild rüber und sag mir ob das Essen wirklich so exotisch ist, wie ich es gehört habe…

Ist das nicht eine viel schönere Reaktion? Natürlich rede ich hier nicht von vorheucheln. Falls ihr diesen Menschen einfach nicht mögt (man kann ja leider nicht mit jedem Gutfreund sein), dann wäre das natürlich gelogen, aber vielleicht ist es doch eure beste Freundin oder der eigene Bruder und dann wäre das doch eine viel schönere Reaktion. Ich hoffe, dass ich dieses unbewusste Handeln, dass mir eingepflanzt wurde, tatsächlich voll und ganz loswerde. Dennoch möchte ich meinen Ehrgeiz und meine Disziplin beibehalten. Denn das schließt ja solche Charaktereigenschaften nicht aus. Trotzdem möchte ich aber kein schlechtes Gefühl haben, wenn ich für etwas länger brauche oder über Umwege erst an mein Ziel komme oder dies vielleicht doch einmal nicht erreiche.

Wir alle sind individuell und haben unterschiedliche Stärken und Schwächen, Ziele und Träume. Warum messen wir uns dann an unserem Gegenüber? Das ist doch gar nicht wirklich möglich. Wir sollten uns alle das immer wieder vor Augen führen und unseren Kindern auch ein Vorbild sein. Kein Mensch ist anhand seiner schulischen und beruflichen Erfolge besser oder schlechter. Wir alle sind unterschiedlich und das muss auch so sein. Wir brauchen Lehrer, Bäcker, KFZ-Mechaniker, Putzkräfte, Köche, Botaniker, Sozialpädagogen, Erzieher, Sportler, Tagesmütter, Zahnärzte und und und und… Wir alle sind wichtig und bilden die Gesellschaft! Verändere dich ins Positive, so veränderst du ein Stück weit auch die Gesellschaft!

 

In diesem Sinne danke ich euch fürs Lesen und hoffe euch bald wieder auf meinem Blog begrüßen zu dürfen.

Eure Maria Saso

 

Beitragsbildnachweis ©  Zackaria Bergadi

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