Es wird sich ALLES ändern! – haben sie gesagt.

Wir wurden oft gewarnt und gebeten die letzten Tage der Zweisamkeit zu genießen, ein Kind ändere schließlich alles. Darüber haben wir zwei immer den Kopf geschüttelt. Warum sollte denn alles so anders werden? Natürlich sieht der Tagesablauf anders aus und die Nächte werden womöglich kürzer, aber ansonsten wird sich doch nichts großartig an uns ändern. Wir beide wollen nun ja Familie und sind überglücklich, dass wir dies zusammen angehen zu können.

Jetzt weiß ich plötzlich was die Leute meinten. Wir müssen uns outen! Unser Leben hat sich um 180 Grad gedreht. Es ist ALLES anders! Ein Kind ändert nicht nur den Tagesablauf und gewisse Gewohnheiten, sondern auch einen selbst und die Partnerschaft. Ich habe ja bereits in meinem Artikel „Cool bleiben! Ich habe mich verändert!“ erwähnt, dass sich in meinen Ansichten doch einiges geändert hat, seitdem Valentina da ist. Wie ihr wisst, waren wir am Gardasee. Während des Urlaubs habe ich festgestellt, dass sich auch unsere Partnerschaft stark verändert hat. Ich möchte hier jetzt nichts verharmlosen, deswegen schreibe ich ganz bewusst STARK verändert.

Wie genau machen sich denn diese Veränderungen bemerkbar? Zum einen habe ich mich verändert und zum anderen aber auch mein Mann, demzufolge auch unsere Partnerschaft. Er hat auch gewisse Ansichten und Eigenschaften dazugewonnen und losgelassen, seitdem wir Eltern sind. Ich möchte nicht genau auf diese Veränderungen eingehen, da diese nicht wirklich nicht ausschlaggebend sind. Dennoch haben diese einen großen Einfluss auf unsere Partnerschaft. Ich möchte an dieser Stelle erstmal klarstellen, dass ich euch keine bevorstehende Trennung ankündige! 😀

Aber ich möchte auch einfach mal Klartext sprechen. Viele Paare verschönern dieses Thema, sprechen es gar nicht erst an oder versuchen gezielt eine heile Welt aufrecht zu erhalten, die vielleicht gar nicht so heile ist. Was hat sich denn genau an unserer Beziehung geändert? Wir streiten uns! Wir streiten uns nicht nur ab und zu, sondern oft. Als wir noch die Zweisamkeit genießen konnten, haben wir uns wirklich super selten gestritten und wenn doch, dann waren das auch eher normale Meinungsverschiedenheiten und kein Streit in dem Sinn, aber jetzt…jetzt platzt ganz oft die Bombe. Zu 99%  geht es dabei eigentlich nur um Valentina bzw. die Forderungen und unterschiedlichen Vorstellungen des Partners.

Natürlich haben sich noch viel mehr Sachen verändert. Wir haben viel weniger Zweisamkeit und wenn wir sie haben, können wir sie oft nicht richtig als solche nutzen, da wir so viele Dinge zu tun haben, die man am besten erledigen kann, wenn Valentina nicht zuhause ist (z.B. Handwerkssachen, Erledigungen, Termine, Treffen mit befreundeten Paaren). Zudem ist natürlich die intime Zeit auch extrem begrenzt, die man vorher viel länger und intensiver genießen konnte. Kuschelzeit gibt es oft eher nur zu dritt morgens, wenn wir Valentina zu uns ins Bett holen, weil wir noch 10 Minuten dösen möchten. Unsere Aktivitäten sind nun nicht mehr auf Abenteuer und Spontanität ausgerichtet, sondern eher auf Sicherheit und eine gewisse Planung.

Das klingt nun alles sehr negativ, da gebe ich euch Recht. Ein Kind verändert eine Partnerschaft doch auch ins Positive oder? JA!!!! Selbstverständlich!!!!! Dennoch ist es auch total in Ordnung mal zu meckern und zu sagen, dass sich etwas ins Negative verändert hat. Es ist sogar für eine Partnerschaft überlebenswichtig dies anzusprechen. Mein Mann und ich streiten oft, aber wir beide sprechen auch darüber, dass sich vieles verändert hat. Was bedeutet das für uns? Wir versuchen uns in die gleiche Richtung zu bewegen. Ebenso ist es wichtig dem Partner zu sagen, was er/sie gerade nicht so gut findet und welche Sache einen unglücklich macht. Es ist soooooo wichtig sich einzugestehen, dass etwas nicht gut läuft und dies dann auch anzusprechen, damit man eine gemeinsame Lösung finden kann.

Ich lese und höre derzeit wahnsinnig oft, dass sich Paare trennen bevor das Kind 1 Jahr alt geworden ist. Für mich ist das ganz klar (auch) ein Anzeichen von fehlender Kommunikation. Ein Kind, besonders die ersten Jahre, fordert einfach alle Nerven und jede Reserven der Eltern. Hierbei ist es ganz wichtig sehr sensibel mit den Bedürfnissen und Enttäuschungen des Partners umzugehen. Damit meine ich, dass sowohl der erziehende, als auch der arbeitende Elternteil, in seinen Ängsten und Forderungen ernst genommen werden muss. Oft wird mir davon berichtet, dass die arbeitende Person die Erziehungsarbeit des Partners nicht als genauso anstrengend, wie die eigene Arbeit betrachtet. Andersherum sehe ich aber auch, dass die erziehende Person die eigene Leistung höher einstuft, als die des arbeitenden Partners.

Findet ihr darin den Fehler? Ich sehe ihn klar und deutlich! In der Partnerschaft wird verglichen und der Vergleich als Verteidigungsgrundlage genommen, um den eigenen Willen durchsetzen zu können. Warum das ein Fehler ist? Das liegt doch deutlich in der Hand. In einer Partnerschaft geht es darum zusammen zu arbeiten, ein Team zu bilden und was machen wir? Wir versuchen uns zu duellieren, wer das schlimmere Los gezogen hat und somit ja die größere Verantwortung trägt. SO EIN QUTASCH! Ja, auch mein Mann und ich stecken oft in dieser total bescheuerten Diskussion. Mein Mann arbeitet, ist der Meinung nach dem Feierabend Freizeit haben zu dürfen. Ich wiederum habe Valentina den ganzen Tag (geht nicht in die Krippe) und bin ebenfalls der Meinung Freizeit verdient zu haben. Bis vor kurzem haben wir uns wirklich oft deswegen gestritten.

Jetzt aber langsam haben wir verstanden, dass dieser Streit keinen Sinn macht. Wir müssen zusammenarbeiten! Anfangs haben wir es „Regeln“ genannt, jetzt aber würde ich diese Sachen feste Ablaufpläne nennen. Klingt jetzt total kontrolliert und komisch, aber es rettet den Umgang unter uns. Es rettet unsere Partnerschaft. Ich möchte euch mal ein banales Beispiel aufzeigen. Wer bringt Valentina abends zu Bett? Anfangs habe ich das JEDEN Abend gemacht. Mir hat es zu dem Zeitpunkt auch noch nicht so viel ausgemacht, ich wollte ja mein Kind in den Schlaf begleiten, aber wenn man dies 4 Monate am Stück macht, JEDEN ABEND… ja dann kommt irgendwann der Moment, in dem die Luft einfach mal raus ist.

Also begann ich meinem Mann zu sagen, dass das so nicht weitergeht und er auch diese Aufgabe übernehmen müsse. Mein Mann war unsicher, da er das nie gemacht hat und Valentina die ersten Monate wirklich große Schwierigkeiten mit dem Einschlafen hatte, somit hat er versucht mit mir zu diskutieren, auszuhandeln, abzuwehren und so weiter. Ich wiederum habe dann verglichen und gesagt, dass ich ja nun einmal eine viel größere Verantwortung täglich trage. Naja, dann waren wir schnell in dem oben beschriebenen Szenario gefangen. Jetzt aber, seitdem wir nicht mehr so viel vergleichen und versuchen den anderen zu verstehen, haben wir einen Ablauf festgelegt, den wir beide super finden. Ich bringe Valentina 2 Nächte zu Bett, dann mein Mann eine Nacht. 2 zu 1. Damit kommen wir super klar. Mir ging es nicht darum diese Aufgabe völlig abzugeben oder sie gleich aufzuteilen, mir ging es nur um eine Entlastung und die Möglichkeit einen Abend auch mal einfach auf der Couch bleiben zu können.

Das ist natürlich jetzt ein ganz einfaches Beispiel, aber ihr seht, dass so ein Thema wahnsinnigen Stress und Diskussionen auslösen kann. Deshalb ist es so wichtig zu kommunizieren und einen Streit auch nicht einfach stehen zu lassen. Wir müssen in einer Partnerschaft zusammenhalten nicht nur dem Kind zu liebe, sondern auch um die Liebe untereinander zu halten und zu pflegen. Nehmt euren Partner/in nicht für selbstverständlich, nur weil man verheiratet ist und/oder ein Kind bekommen hat. Wenn ein Teil traurig, enttäuscht ist oder sich verletzt fühlt und dies nicht wahr- bzw. ernstgenommen wird, dann ist eine Trennung früher oder später vorprogrammiert. In diesem Sinne: geht auf einander ein, redet miteinander und versucht Lösungen zu finden, die euch beiden zusagt!

Ich danke euch fürs Lesen und hoffe euch bald wieder auf meinem Blog begrüßen zu dürfen.

Eure Maria Saso

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